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Akuter Notfall? 112 anrufen und sofort mit der Herzdruckmassage beginnen.

112 anrufen

Erste Hilfe bei Herzstillstand: rufen, drücken, Defibrillator

Die vollständige Abfolge für Laien nach den ERC-Leitlinien 2025: erkennen, 112 rufen, Herzdruckmassage mit 5 bis 6 cm Tiefe und 100 bis 120 pro Minute, Defibrillator anlegen, Beatmung nur für Geübte. Mit Bildtafeln zu jedem Handgriff.

Stand
20. September 2026
Fachgrundlage
ERC-/GRC-Leitlinien 2025
Herausgeber
Mohammed Sayed Mahmod

Erkennen: keine Reaktion, keine normale Atmung

Sprich die Person laut an und rüttle sie an den Schultern. Reagiert sie nicht, ist sie bewusstlos. Das allein reicht schon, um den Notruf zu wählen.

Die Leitlinien 2025 haben die Erkennung bewusst vereinfacht, weil Laien an der Atemkontrolle scheitern und dabei Zeit verlieren. Prüfe die Atmung deshalb erst, während du mit der Leitstelle sprichst. Im Zweifel gehst du von einem Kreislaufstillstand aus und beginnst zu drücken.

Keine Reaktion und keine normale Atmung ist ein Kreislaufstillstand.

Rufen: 112, Lautsprecher an, Handy weglegen

Der Notruf steht in den Leitlinien 2025 vor der Atemkontrolle. Die Reihenfolge heißt jetzt rufen, prüfen, drücken. Grund ist die Telefonreanimation: Die Leitstelle erkennt den Kreislaufstillstand mit dir zusammen, gibt den Takt vor und bleibt dran, bis der Rettungsdienst da ist.

Schalte den Lautsprecher ein und lege das Handy neben dich. Du brauchst beide Hände. Die Leitstelle kann dir außerdem sagen, ob in der Nähe ein gemeldeter Defibrillator hängt, und sie kann Ersthelfer alarmieren.

  1. 112 wählen

    Kein Umweg über eine andere Nummer, keine Suche im Internet, keine Rückfrage bei Angehörigen.

  2. Lautsprecher einschalten

    So bleiben deine Hände frei und die Leitstelle kann dich beim Drücken anleiten.

  3. Laut um Hilfe rufen

    Jede weitere Person hilft: eine drückt, eine holt den Defibrillator, eine weist den Rettungsdienst ein.

    Wenn niemand kommt, drückst du allein weiter. Du verlässt die Person nicht, um ein Gerät zu suchen.

Drücken: die Maßnahme, die immer richtig ist

Die Herzdruckmassage ersetzt die Pumpleistung des Herzens und hält Gehirn und Herzmuskel am Leben, bis ein Schock oder der Rettungsdienst wirken kann. Sie ist die einzige Maßnahme, die eine ungeübte Person ohne Ausrüstung leisten kann, und sie entscheidet über den Ausgang.

Knie dich seitlich neben die Person. Der Druckpunkt liegt in der Mitte des Brustkorbs, auf dem unteren Teil des Brustbeins. Setze den Ballen einer Hand dort auf, lege die zweite Hand darüber und verschränke die Finger. Die Arme bleiben gestreckt, die Schultern stehen senkrecht über den Händen, der Druck kommt aus dem Oberkörper und nicht aus den Armen.

Entlaste den Brustkorb nach jedem Druck vollständig, ohne die Hände abzuheben. Nur ein entlasteter Brustkorb füllt sich wieder. Unterbrich so selten und so kurz wie möglich.

Fest drücken, schnell drücken, kaum unterbrechen.

Ersthelferin kniet seitlich neben einer bewusstlosen Person, Hände übereinander auf der Mitte des Brustkorbs, Arme gestreckt, Schultern senkrecht über den Händen.
Bildtafel 1Druckpunkt Mitte des Brustkorbs, Arme gestreckt, Schultern senkrecht darüber. Der Druck kommt aus dem Oberkörper.
Kennwerte zu Drücken: die Maßnahme, die immer richtig ist
DruckpunktMitte des Brustkorbs, unteres Brustbein
Drucktiefemindestens 5 cm, nicht mehr als 6 cm
Frequenz100 bis 120 pro Minute
Entlastungnach jedem Druck vollständig, Hände bleiben auf
Wechselalle 2 Minuten, wenn eine zweite Person da istDer Wechsel dauert höchstens ein paar Sekunden.
Ungeübtdurchgehend drücken, nicht beatmen

Defibrillator: einschalten und den Ansagen folgen

Ein automatisierter externer Defibrillator, kurz AED, prüft den Herzrhythmus selbst und gibt einen Schock nur frei, wenn er dafür geeignet ist. Du kannst mit einem AED niemanden schocken, der keinen Schock braucht. Genau deshalb dürfen ihn Laien ohne Ausbildung benutzen.

Sobald ein Gerät da ist, wird es eingesetzt, ohne auf den Rettungsdienst zu warten. Öffne den Kasten, schalte das Gerät ein und folge den Ansagen. Viele Kästen lösen beim Öffnen einen Alarm aus. Der Alarm ruft Hilfe und verbietet nichts.

Die Elektroden kommen auf den nackten, trockenen Brustkorb, so wie es der Aufdruck zeigt: eine rechts oben neben dem Brustbein unterhalb des Schlüsselbeins, die zweite links unterhalb der Achsel an der Seite des Brustkorbs. Während das Gerät analysiert und während es schockt, berührt niemand die Person. Danach sofort weiterdrücken.

Aufsicht auf eine liegende Person mit zwei aufgeklebten Defibrillator-Elektroden: eine rechts oben unter dem Schlüsselbein, eine links seitlich unterhalb der Achsel, verbunden mit einem geöffneten gelben AED.
Bildtafel 2Elektrode rechts oben neben dem Brustbein, zweite Elektrode links unterhalb der Achsel. Während Analyse und Schock berührt niemand die Person.
  1. Kasten öffnen, Gerät einschalten

    Manche Geräte starten selbst, sobald der Deckel aufgeht.

  2. Oberkörper frei machen

    Kleidung öffnen oder aufschneiden. Die Elektroden brauchen Hautkontakt.

    Ein Büstenhalter mit Bügel wird verschoben oder durchtrennt; Metall darf nicht unter der Elektrode liegen.
  3. Elektroden nach Aufdruck kleben

    Rechts oben neben das Brustbein, links unterhalb der Achsel. Fest andrücken, keine Falten.

  4. Zurücktreten, wenn das Gerät es sagt

    Während der Analyse und beim Schock berührt niemand die Person, auch nicht am Bein.

  5. Sofort weiterdrücken

    Nach dem Schock oder nach der Ansage „kein Schock empfohlen“ geht es ohne Pause mit der Herzdruckmassage weiter.

Beatmen: nur wenn du geschult bist und dich sicher fühlst

Die Leitlinien unterscheiden hier klar. Wer nicht in der Beatmung geschult ist, drückt durchgehend und beatmet nicht. Unsichere Beatmungsversuche kosten mehr Zeit, als sie bringen, weil jede Unterbrechung den Blutdruck im Kreislauf zusammenbrechen lässt.

Wer geübt ist, arbeitet im Verhältnis 30 zu 2: dreißig Mal drücken, zwei Mal beatmen. Überstrecke dafür den Kopf leicht nach hinten und hebe das Kinn an, halte die Nase zu und blase ruhig über etwa eine Sekunde so viel Luft ein, dass sich der Brustkorb sichtbar hebt. Zwei Beatmungen zusammen dürfen nicht länger als zehn Sekunden dauern.

Hebt sich der Brustkorb beim ersten Versuch nicht, korrigiere einmal die Kopflage und versuche es ein zweites Mal. Klappt es wieder nicht, drück weiter. Es gibt keinen dritten Versuch.

Ersthelferin überstreckt den Kopf einer bewusstlosen Person leicht nach hinten, hält die Nase zu und beatmet über den Mund.
Bildtafel 3Mund zu Mund: Kopf leicht überstrecken, Kinn anheben, Nase zuhalten, über etwa eine Sekunde einblasen, bis sich der Brustkorb hebt.
Kennwerte zu Beatmen: nur wenn du geschult bist und dich sicher fühlst
Verhältnis30 Kompressionen zu 2 Beatmungen
Dauer je Beatmungetwa 1 Sekunde
Pause für zwei Beatmungenhöchstens 10 Sekunden
Erfolgszeichender Brustkorb hebt sich sichtbar
Ungeübtkeine Beatmung, durchgehend drücken

Mund zu Nase als Ausweichweg

Manchmal lässt sich der Mund nicht öffnen, ist verletzt oder mit Erbrochenem verlegt. Dann wird über die Nase beatmet. Der Ablauf ist derselbe: Kopf leicht überstrecken, Kinn anheben, den Mund dabei mit Daumen und Zeigefinger zudrücken und über die Nase einblasen.

Für die Ausatmung öffnest du den Mund wieder, sonst entweicht die Luft nicht. Beide Wege sind gleichwertig. Nimm den, der in der Lage funktioniert.

Ersthelferin hält den Mund der bewusstlosen Person mit den Fingern zu und beatmet über deren Nase.
Bildtafel 4Mund zu Nase: Mund zuhalten, über die Nase einblasen, für die Ausatmung den Mund wieder öffnen.

Weitermachen, bis jemand übernimmt

Hör nicht auf, weil nichts zu passieren scheint. Eine Wiederbelebung sieht selten so aus wie im Film. Du machst weiter, bis der Rettungsdienst übernimmt, bis die Person erkennbar normal zu atmen beginnt oder bis du körperlich nicht mehr kannst.

Wenn eine zweite Person da ist, wechselt ihr euch etwa alle zwei Minuten ab. Nach zwei Minuten lässt die Drucktiefe messbar nach, ohne dass man es selbst merkt. Der Wechsel darf nur ein paar Sekunden dauern.

Lass die Elektroden des Defibrillators kleben. Das Gerät analysiert von selbst weiter und meldet sich, wenn erneut ein Schock nötig ist. Der Rettungsdienst kann die Aufzeichnung außerdem auslesen.

Aufhören ist keine Entscheidung, die du allein triffst.

Was Menschen abhält, und warum es nicht stimmt

In Deutschland beginnt nur etwa jede zweite Person, die einen Kreislaufstillstand miterlebt, mit der Wiederbelebung. Die Gründe sind fast immer dieselben drei, und keiner davon hält einer Prüfung stand.

„Ich mache etwas falsch.“ Der einzige echte Fehler ist, gar nichts zu tun. Wer bei einer Person drückt, die keinen Kreislaufstillstand hat, weckt sie damit; sie wehrt sich, und du hörst auf.

„Ich hafte dafür.“ Wer hilft, haftet nur für Vorsatz und grobe Fahrlässigkeit. Wer nicht hilft, macht sich dagegen strafbar. Details stehen im Ratgeber zur Rechtslage.

„Das ist mir unangenehm.“ Frauen werden seltener wiederbelebt als Männer, weil Helfende zögern, den Oberkörper frei zu machen. Der Brustkorb muss frei sein, damit Druckpunkt und Elektroden sitzen. Das ist keine Grenzüberschreitung, sondern die Maßnahme.

Häufige Fragen

Darf ich einen Defibrillator als Laie überhaupt benutzen?
Ja. Öffentlich zugängliche Geräte sind ausdrücklich für Laien gebaut. Sie analysieren den Rhythmus selbst und geben einen Schock nur frei, wenn er angezeigt ist. Eine Ausbildung ist keine Voraussetzung.
Was ist, wenn ich mich beim Ablauf vertue?
Das Gerät führt dich durch. Es sagt an, wann die Elektroden kleben müssen, wann niemand berühren darf und wann weitergedrückt wird. Wenn du dazwischen unsicher bist, drück weiter: Herzdruckmassage ist nie falsch.
Muss ich beatmen?
Nein. Wer nicht in der Beatmung geschult ist, soll nach den Leitlinien 2025 durchgehend drücken und nicht beatmen. Bei Kindern und bei Ertrinken ist die Beatmung dagegen wichtig, wenn du sie beherrschst.
Der Kasten löst einen Alarm aus. Darf ich ihn trotzdem öffnen?
Ja. Der Alarm ist gewollt. Er meldet dem Betreiber, dass ein Gerät im Einsatz ist, und er macht Umstehende auf den Notfall aufmerksam.
Wie finde ich nachts ein erreichbares Gerät?
Filtere auf der Karte nach „rund um die Uhr“. Ein Gerät im Rathausfoyer ist nachts unerreichbar, ein beleuchteter Außenkasten dreihundert Meter weiter dagegen jederzeit. Sag der Leitstelle, wo du bist; sie kennt gemeldete Standorte ebenfalls.

Quellen

Dieser Beitrag ist auf Grundlage der genannten Leitlinien und Vorschriften geschrieben. Es gibt keine Redaktion und keine ärztliche Prüfung: Herausgeber ist Mohammed Sayed Mahmod. Der Text ersetzt weder einen Erste-Hilfe-Kurs noch ärztlichen oder rechtlichen Rat.

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