Was ein Defibrillator wirklich tut: Rhythmusanalyse, Schock, Grenzen
Ein AED entscheidet selbst, ob ein Schock hilft. Welche Herzrhythmen er behandelt, warum er bei einer Nulllinie nicht auslöst und warum die Herzdruckmassage trotzdem weitergeht.
- Stand
- 01. Oktober 2026
- Fachgrundlage
- ERC-/GRC-Leitlinien 2025
- Herausgeber
- Mohammed Sayed Mahmod
Das Gerät analysiert, du musst nicht entscheiden
Sobald die Elektroden kleben, misst der Defibrillator den elektrischen Rhythmus des Herzens und prüft, ob ein Schock helfen kann. Nur dann gibt er ihn frei. Du musst den Rhythmus nicht erkennen und nichts einstellen.
Die Entscheidung liegt beim Gerät, und es sagt dir an, was zu tun ist. Deshalb ist der AED für Laien gebaut: Wer den Ansagen folgt, macht nichts falsch.
Das Gerät schockt nur, wenn ein Schock helfen kann.
Welche Rhythmen geschockt werden
Ein Schock behandelt zwei Rhythmusstörungen: Kammerflimmern und die pulslose ventrikuläre Tachykardie. Beim Kammerflimmern zuckt das Herz chaotisch und pumpt kein Blut mehr. Der Stromstoß beendet das Chaos auf einen Schlag, damit der natürliche Taktgeber des Herzens wieder übernehmen kann.
Bei einer Nulllinie, der Asystolie, und bei der elektrischen Aktivität ohne Pumpleistung ist ein Schock wirkungslos. Dann meldet das Gerät „Schock nicht empfohlen“. Der Defibrillator startet also kein stehendes Herz neu, wie es im Film aussieht. Er löst nur ein Flimmern auf.
Warum du bei Unsicherheit trotzdem anwenden solltest
Das Gerät schockt nicht, wenn kein schockbarer Rhythmus vorliegt. Bei einem gesunden Herzen löst es nicht aus. Die Rhythmuserkennung moderner Geräte gilt als sehr zuverlässig.
Deshalb gilt: Wer bewusstlos ist und nicht normal atmet, bekommt die Elektroden, auch wenn du dir nicht sicher bist. Ein „Schock nicht empfohlen“ kostet nichts. Zeit zu verlieren kostet viel.
Analyse, Schock, zwei Minuten
Während der Analyse darf niemand den Patienten berühren, denn Bewegung kann die Messung stören. Das Gerät sagt dir das an. Die Analyse dauert wenige Sekunden.
Nach einem Schock machst du sofort mit der Herzdruckmassage weiter, ohne den Puls zu prüfen. Nach etwa zwei Minuten analysiert das Gerät erneut. Halbautomaten verlangen, dass du den Schockknopf selbst drückst, Vollautomaten lösen nach der Ansage selbst aus.
| Geschockt wird | Kammerflimmern, pulslose ventrikuläre Tachykardie |
|---|---|
| Nicht geschockt wird | Asystolie, elektrische Aktivität ohne Pumpleistung |
| Schockform | biphasisch, je nach Gerät etwa 120 bis 200 Joule |
| Nach dem Schock | sofort weiter drücken, Analyse nach etwa 2 Minuten |
Warum die Herzdruckmassage trotzdem Pflicht bleibt
Der Defibrillator allein reicht nicht. Die Herzdruckmassage hält das Blut in Bewegung und versorgt Gehirn und Herz mit Sauerstoff, bis der Schock möglich ist. Ohne sie sinkt die Überlebenschance bei Kammerflimmern nach Studienlage um etwa 7 bis 10 Prozent je Minute, mit laufender Druckmassage deutlich langsamer.
Deshalb beginnst du zu drücken, bevor das Gerät da ist, und hörst nicht auf, wenn es „Schock nicht empfohlen“ meldet. Die Maßnahme, die immer richtig ist, bleibt die Herzdruckmassage.
Häufige Fragen
- Kann ein Defibrillator einem gesunden Menschen schaden?
- Das Gerät löst nur aus, wenn es einen schockbaren Rhythmus erkennt. Bei einem gesunden Herzen empfiehlt es keinen Schock.
- Warum schockt der Defibrillator bei einer Nulllinie nicht?
- Bei einer Asystolie fehlt dem Herzen jede elektrische Aktivität, die ein Schock beenden könnte. Das Gerät meldet „Schock nicht empfohlen“, und du drückst weiter.
- Muss ich nach dem Schock den Puls prüfen?
- Nein. Du setzt die Herzdruckmassage sofort fort. Nach etwa zwei Minuten analysiert das Gerät erneut und sagt dir, was zu tun ist.
Quellen
- European Resuscitation Council: Leitlinien 2025, KurzfassungDeutsche Fassung des German Resuscitation Council, veröffentlicht im Oktober 2025.
- German Resuscitation Council: LeitlinienDer GRC stellt die bebilderte Kurzfassung als kostenlosen Download bereit.
Dieser Beitrag ist auf Grundlage der genannten Leitlinien und Vorschriften geschrieben. Es gibt keine Redaktion und keine ärztliche Prüfung: Herausgeber ist Mohammed Sayed Mahmod. Der Text ersetzt weder einen Erste-Hilfe-Kurs noch ärztlichen oder rechtlichen Rat.
