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Akuter Notfall? 112 anrufen und sofort mit der Herzdruckmassage beginnen.

112 anrufen

Herzinfarkt oder Herzstillstand: den Unterschied erkennen und richtig handeln

Beim Herzinfarkt ist der Mensch meist wach und hat Schmerzen, beim Herzstillstand ist er bewusstlos und atmet nicht normal. Woran du beides erkennst, was du beim Herzinfarkt bis zum Rettungsdienst tust und warum der Defibrillator trotzdem bereitliegen sollte.

Stand
14. Oktober 2026
Fachgrundlage
ERC-/GRC-Leitlinien 2025
Herausgeber
Mohammed Sayed Mahmod

Zwei Notfälle, die oft verwechselt werden

Beim Herzinfarkt ist ein Herzkranzgefäß verschlossen. Ein Teil des Herzmuskels bekommt kein Blut mehr und beginnt abzusterben. Das Herz schlägt aber weiter, und der Mensch ist in aller Regel wach, spricht und atmet. Er hat Schmerzen, Angst und braucht schnell ein Krankenhaus mit Herzkatheter.

Beim Herzstillstand pumpt das Herz kein Blut mehr. Meist steckt Kammerflimmern dahinter, ein elektrisches Chaos, bei dem der Herzmuskel nur noch zuckt. Der Mensch bricht zusammen, reagiert nicht und atmet nicht normal. Jetzt helfen nur noch Herzdruckmassage und Defibrillator.

Beides hängt zusammen: Ein Herzinfarkt ist eine der häufigsten Ursachen für Kammerflimmern. Wer einen Menschen mit Herzinfarkt betreut, muss deshalb damit rechnen, dass er in den nächsten Minuten bewusstlos wird.

Wach und mit Schmerzen ist ein Herzinfarkt, bewusstlos ohne normale Atmung ein Herzstillstand.

Kennwerte zu Zwei Notfälle, die oft verwechselt werden
BewusstseinHerzinfarkt: meist wach · Herzstillstand: bewusstlos
AtmungHerzinfarkt: vorhanden, oft schnell · Herzstillstand: keine oder Schnappatmung
UrsacheHerzinfarkt: verschlossenes Herzkranzgefäß · Herzstillstand: meist Kammerflimmern
Deine AufgabeHerzinfarkt: 112, betreuen, beobachten · Herzstillstand: 112, drücken, Defibrillator

Woran du einen Herzinfarkt erkennst

Das typische Zeichen ist ein starker Schmerz, Druck oder ein Engegefühl in der Brust, der länger als ein paar Minuten anhält und in Ruhe nicht nachlässt. Viele beschreiben es wie einen Ring um die Brust oder ein Gewicht auf dem Brustbein. Der Schmerz kann in Arme, Hals, Unterkiefer, Rücken oder Oberbauch ausstrahlen.

Dazu kommen häufig Atemnot, Übelkeit oder Erbrechen, kalter Schweiß, eine fahle Gesichtsfarbe und ausgeprägte Angst. Bei Frauen, älteren Menschen und Menschen mit Diabetes fehlt der typische Brustschmerz öfter. Dann stehen Atemnot, Übelkeit, Schmerzen im Oberbauch oder im Rücken und plötzliche Erschöpfung im Vordergrund. Gerade diese Fälle werden zu spät erkannt.

Ein Mann mit grauen Haaren sitzt mit angelehntem Oberkörper an einer Wand und drückt die Hand auf die Brust. Eine Ersthelferin kniet neben ihm, legt ihm die Hand auf die Schulter und telefoniert. Daneben steht ein geschlossener Defibrillator.
Bildtafel 1Oberkörper hoch, nicht allein lassen, 112 rufen. Der Defibrillator liegt bereit, angelegt wird er erst bei Bewusstlosigkeit ohne normale Atmung.

Was du beim Herzinfarkt tust

Bis der Rettungsdienst da ist, geht es um drei Dinge: den Notruf, eine Haltung, die das Herz entlastet, und Beobachtung. Mehr kannst du nicht tun, und mehr musst du auch nicht tun.

  1. 112 rufen und „Verdacht auf Herzinfarkt“ sagen

    Die Leitstelle schickt dann Rettungswagen und meist auch einen Notarzt. Sag, wo ihr seid, und bleib in der Leitung, bis die Leitstelle das Gespräch beendet.

  2. Oberkörper hoch lagern

    Lass die Person sitzen oder halb liegen, angelehnt an eine Wand, einen Stuhl oder deine Beine. Das erleichtert die Atmung und entlastet das Herz. Sie soll nicht herumlaufen und keine Treppen steigen.

  3. Enge Kleidung öffnen und beruhigen

    Krawatte, Kragen und Gürtel lockern, für frische Luft sorgen. Sprich ruhig mit der Person. Angst steigert den Sauerstoffbedarf des Herzens.

  4. Defibrillator holen lassen

    Schick eine zweite Person zum nächsten Gerät. Du selbst bleibst da. Angelegt wird der Defibrillator noch nicht, er liegt nur bereit.

    Wo das nächste Gerät hängt, zeigt die Karte auf dieser Seite. Auch die Leitstelle kennt in vielen Regionen die registrierten Geräte in der Nähe.
  5. Nicht allein lassen und beobachten

    Achte auf Bewusstsein und Atmung. Wird die Person bewusstlos und atmet nicht mehr normal, ist aus dem Herzinfarkt ein Herzstillstand geworden.

Medikamente: nur die eigenen und nur nach Rücksprache

Hat die Person vom Arzt verordnetes Nitrospray oder Nitrokapseln dabei, weil sie eine bekannte Herzerkrankung hat, kannst du ihr helfen, das Mittel so zu nehmen, wie es ihr verordnet wurde. Gib keine fremden Medikamente.

Die europäischen Erste-Hilfe-Leitlinien sehen vor, dass Ersthelfer einem wachen Erwachsenen mit Verdacht auf Herzinfarkt helfen können, 150 bis 300 Milligramm Acetylsalicylsäure zu kauen, wenn keine Allergie und keine Blutgerinnungsstörung bekannt sind. Mach das nur nach Rücksprache mit der Leitstelle. Sie kennt die Situation, fragt nach Vorerkrankungen und sagt dir, ob es sinnvoll ist. Auch Essen und Trinken gibst du bis zum Eintreffen des Rettungsdienstes nicht.

Wenn die Person bewusstlos wird

Reagiert die Person nicht mehr und atmet nicht normal, beginnt sofort die Wiederbelebung. Sag der Leitstelle, dass sich der Zustand verändert hat; die Leitstelle leitet dich am Telefon an. Leg die Person flach auf den Rücken auf den Boden und beginne mit der Herzdruckmassage: Mitte des Brustkorbs, 5 bis 6 Zentimeter tief, 100 bis 120 Mal pro Minute.

Sobald der Defibrillator da ist, schaltest du ihn ein und folgst den Ansagen. Jetzt zahlt sich aus, dass er schon bereitlag. Wie das im Einzelnen geht, steht im Ratgeber zur Ersten Hilfe bei Herzstillstand.

Bewusstlos und keine normale Atmung: sofort drücken, Defibrillator anlegen.

Zwei verbreitete Irrtümer

„Kräftig husten rettet beim Herzinfarkt.“ Diese Behauptung kursiert seit Jahren in Kettennachrichten. Für Laien gibt es dafür keinen Beleg, und die Leitlinien empfehlen es nicht. Wer bei Brustschmerz hustet statt 112 zu rufen, verliert Zeit.

„Der Defibrillator hilft beim Herzinfarkt.“ Er behandelt nicht den Infarkt, sondern das Kammerflimmern, das daraus entstehen kann. Bei einem wachen Menschen mit Schmerzen wird er nicht angelegt. Er analysiert den Herzrhythmus erst, wenn die Elektroden auf einem Menschen kleben, der bewusstlos ist und nicht normal atmet.

Häufige Fragen

Was ist der Unterschied zwischen Herzinfarkt und Herzstillstand?
Beim Herzinfarkt ist ein Herzkranzgefäß verschlossen, das Herz schlägt aber weiter und die Person ist meist wach. Beim Herzstillstand pumpt das Herz nicht mehr, die Person ist bewusstlos und atmet nicht normal.
Wie lagere ich jemanden mit Verdacht auf Herzinfarkt?
Mit erhöhtem Oberkörper, sitzend oder halb liegend und angelehnt. Die Person soll sich nicht bewegen und nicht herumlaufen.
Lege ich bei einem Herzinfarkt den Defibrillator an?
Nicht, solange die Person wach ist und atmet. Lass ihn aber holen und bereitlegen. Wird die Person bewusstlos und atmet nicht normal, legst du ihn sofort an und drückst bis dahin.
Darf ich bei Herzinfarkt Aspirin geben?
Die europäischen Erste-Hilfe-Leitlinien halten es bei einem wachen Erwachsenen ohne Allergie oder Blutgerinnungsstörung für vertretbar. Gib es nur nach Rücksprache mit der Leitstelle unter 112.

Quellen

Dieser Beitrag ist auf Grundlage der genannten Leitlinien und Vorschriften geschrieben. Es gibt keine Redaktion und keine ärztliche Prüfung: Herausgeber ist Mohammed Sayed Mahmod. Der Text ersetzt weder einen Erste-Hilfe-Kurs noch ärztlichen oder rechtlichen Rat.

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