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Akuter Notfall? 112 anrufen und sofort mit der Herzdruckmassage beginnen.

112 anrufen

Wiederbelebung bei Kindern und Säuglingen

Was bei Kindern anders ist als bei Erwachsenen: fünf Beatmungen zuerst, Drucktiefe etwa ein Drittel des Brustkorbs, Defibrillator mit Kinderelektroden. Nach den ERC-Leitlinien 2025.

Stand
20. September 2026
Fachgrundlage
ERC-/GRC-Leitlinien 2025
Herausgeber
Mohammed Sayed Mahmod

Warum der Ablauf bei Kindern anders beginnt

Bei Erwachsenen steht meist eine Herzrhythmusstörung am Anfang. Bei Kindern ist es fast immer umgekehrt: Zuerst versagt die Atmung, etwa durch Ertrinken, einen verschluckten Fremdkörper, einen Asthmaanfall oder eine Infektion, und erst danach bleibt der Kreislauf stehen.

Deshalb steht bei Kindern die Beatmung am Anfang und nicht am Rand. Sauerstoff ist hier die eigentliche Behandlung.

Wichtig bleibt trotzdem: Wenn du dich mit der Beatmung nicht sicher fühlst, drück. Eine Herzdruckmassage ohne Beatmung ist bei einem Kind viel besser als gar nichts. Nichts zu tun ist die einzige Entscheidung, die sicher schadet.

Bei Kindern zuerst fünf Beatmungen, dann drücken.

Ablauf bei Kindern ab dem ersten Lebensjahr

Als Kind gilt in den Leitlinien jeder Mensch vom ersten Lebensjahr bis zur Pubertät. Danach wird wie bei Erwachsenen vorgegangen.

  1. Ansprechen, rütteln, 112 rufen

    Reagiert das Kind nicht und atmet es nicht normal, wähle 112 mit Lautsprecher.

    Bist du allein, beginne erst mit fünf Beatmungen und einer Minute Wiederbelebung, bevor du den Notruf wählst.
  2. Fünf Beatmungen

    Kopf nur leicht überstrecken, Kinn anheben, fünf Mal ruhig einblasen, bis sich der Brustkorb sichtbar hebt.

  3. 15 zu 2 im Wechsel

    Fünfzehn Mal drücken, zwei Mal beatmen. Wer nicht beatmen kann oder will, drückt durchgehend.

  4. Drucktiefe etwa ein Drittel

    Mitte des Brustkorbs, etwa ein Drittel der Brustkorbtiefe eindrücken, 100 bis 120 Mal pro Minute. Bei kleineren Kindern reicht ein Handballen.

  5. Defibrillator einsetzen, sobald er da ist

    Mit Kinderelektroden, wenn vorhanden. Sonst mit den normalen Elektroden.

Kennwerte zu Ablauf bei Kindern ab dem ersten Lebensjahr
Alter1 Jahr bis Pubertät
Beginn5 Beatmungen
Verhältnis15 Kompressionen zu 2 Beatmungen
Drucktiefeetwa ein Drittel der Brustkorbtiefe
Frequenz100 bis 120 pro Minute
Händeein oder zwei Handballen, je nach Größe des Kindes

Säuglinge im ersten Lebensjahr

Bei einem Säugling bleibt der Kopf in Neutralstellung. Wird er überstreckt, knickt die weiche Luftröhre ab und die Beatmung geht ins Leere. Beatmet wird über Mund und Nase zugleich, mit kleinen Atemstößen aus den Wangen und nicht aus der Lunge.

Gedrückt wird mit zwei Fingerspitzen in der Mitte des Brustkorbs, knapp unterhalb einer gedachten Linie zwischen den Brustwarzen. Sind zwei Helfende da, ist der Zwei-Daumen-Griff besser: Beide Daumen liegen nebeneinander auf dem Druckpunkt, die Hände umfassen den Brustkorb.

Kennwerte zu Säuglinge im ersten Lebensjahr
Kopfhaltungneutral, nicht überstrecken
Beatmungüber Mund und Nase gleichzeitig
Drucktechnikzwei Finger, bei zwei Helfenden den Brustkorb umfassen
Drucktiefeetwa ein Drittel der Brustkorbtiefe, rund 4 cm

Defibrillator bei Kindern

Ein Defibrillator wird auch bei Kindern eingesetzt. Viele Geräte haben Kinderelektroden oder einen Kinderschlüssel; sie senken die abgegebene Energie. Diese Karte weist aus, an welchen Standorten Kinderelektroden gemeldet sind, und macht sie filterbar.

Sind keine Kinderelektroden vorhanden, werden die Erwachsenenelektroden benutzt. Ein Schock mit zu viel Energie ist einem Kind gegenüber vertretbar; gar kein Schock ist es nicht.

Bei kleinen Kindern und Säuglingen passen zwei Elektroden oft nicht nebeneinander auf den Brustkorb, ohne sich zu berühren. Dann kommt eine Elektrode vorn auf die Mitte der Brust und die zweite hinten auf den Rücken zwischen die Schulterblätter. Diese Lage ist gleichwertig.

Keine Kinderelektroden da? Dann die normalen nehmen.

Fremdkörper in den Atemwegen

Verschluckt sich ein Kind und hustet kräftig, lass es husten. Ein wirksamer Husten ist stärker als jeder Handgriff. Greif erst ein, wenn der Husten schwach wird, das Kind keinen Ton mehr herausbringt oder blau anläuft.

Dann kommen bis zu fünf Schläge mit dem Handballen zwischen die Schulterblätter, bei nach vorn geneigtem Oberkörper. Bleiben sie erfolglos, folgen bei Kindern ab einem Jahr bis zu fünf Oberbauchkompressionen, bei Säuglingen stattdessen fünf Brustkorbkompressionen. Danach wird im Wechsel weitergemacht.

Wird das Kind bewusstlos, beginnt die Wiederbelebung mit fünf Beatmungen. Ruf spätestens jetzt 112, falls noch nicht geschehen.

Häufige Fragen

Ab wann gilt ein Kind als Erwachsener?
Ab den sichtbaren Zeichen der Pubertät. Die Leitlinien verzichten bewusst auf eine Altersgrenze, weil im Notfall niemand nachrechnet. Im Zweifel nimmst du das Erwachsenenschema; das ist besser als zu zögern.
Was ist, wenn keine Kinderelektroden vorhanden sind?
Dann werden die normalen Elektroden benutzt. Bei sehr kleinen Kindern klebt eine vorn auf die Brustmitte und eine hinten zwischen die Schulterblätter, damit sie sich nicht berühren.
Ich bin allein bei einem Kind. Zuerst Notruf oder zuerst helfen?
Bei einem Kind zuerst helfen: fünf Beatmungen und etwa eine Minute Wiederbelebung, dann den Notruf. Bei Erwachsenen ist es umgekehrt. Hast du ein Handy zur Hand, wählst du 112 mit Lautsprecher und musst dich gar nicht entscheiden.

Quellen

Dieser Beitrag ist auf Grundlage der genannten Leitlinien und Vorschriften geschrieben. Es gibt keine Redaktion und keine ärztliche Prüfung: Herausgeber ist Mohammed Sayed Mahmod. Der Text ersetzt weder einen Erste-Hilfe-Kurs noch ärztlichen oder rechtlichen Rat.

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